Ausbeulzeit
Bei der Kalkulation von Ausbeularbeiten kann es zu Diskussionen über den erforderlichen Zeitaufwand kommen.
Abgesehen von sehr kleinen und klar überschaubaren Dellen, bei denen der Aufwand relativ zuverlässig bestimmt werden kann, handelt es sich bei der Ausbeulzeit in der Regel um eine fachliche Schätzung.
Diese Schätzung erfolgt nach bestem Wissen und Gewissen anhand des vorhandenen Schadenbildes. Teilweise muss sie ausschliesslich oder überwiegend aufgrund von Bildmaterial vorgenommen werden.
Abgleich nach der Reparatur
Bei Ausbeularbeiten behalten wir uns vor, die kalkulierte Zeit nach Ausführung der Reparatur mit dem tatsächlich erforderlichen Arbeitsaufwand abzugleichen und bei Bedarf entsprechend anzupassen.
Eine vorgängig kalkulierte Ausbeulzeit ist deshalb nicht in jedem Fall als abschliessend festgelegter Zeitaufwand zu verstehen.
Diskussion über Ausbeulzeiten vor der Reparatur
Da es sich bei der vorgängig kalkulierten Ausbeulzeit in der Regel um eine fachliche Schätzung handelt, führen wir vor Ausführung der Reparatur grundsätzlich keine Verhandlungen über einzelne Ausbeulzeiten.
Selbstverständlich erläutern wir auf Anfrage die Grundlage unserer Einschätzung und die besonderen Umstände des jeweiligen Schadens. Eine verbindliche Beurteilung des tatsächlich erforderlichen Zeitaufwandes ist jedoch vielfach erst während beziehungsweise nach der fachgerechten Instandsetzung möglich.
Wird eine kalkulierte Ausbeulzeit vor der Reparatur durch einen Experten oder Versicherer als zu hoch beurteilt, ist deshalb nicht aufgrund einer pauschalen Einschätzung eine Reduktion vorzunehmen.
Die kalkulierte Zeit wird nach Ausführung der Arbeiten mit dem tatsächlich erforderlichen Aufwand abgeglichen. Erst auf dieser Grundlage kann eine sachliche Beurteilung der effektiv benötigten Ausbeulzeit erfolgen.
Beurteilung des Aufwandes
Der erforderliche Zeitaufwand kann nicht allein anhand der Grösse oder Tiefe einer Deformation beurteilt werden.
Unter anderem sind zu berücksichtigen:
- Zugänglichkeit der Schadenstelle
- Lage und Form der Deformation
- Verstrebungen und Verstärkungen
- feste Verklebungen
- Material und Konstruktion des Karosserieteils
- erforderliche Reparaturtechnik
- Schutz der vorhandenen Fahrzeugstruktur und Verbindungen
Je nach Konstruktion können zwei optisch vergleichbare Deformationen deshalb einen deutlich unterschiedlichen Reparaturaufwand verursachen.
Nicht oder eingeschränkt zugängliche Bereiche und Verklebungen
Bei nicht oder nur eingeschränkt zugänglichen Bereichen sowie bei Karosserieteilen mit festen Verklebungen muss die Reparaturmethode der jeweiligen Situation angepasst werden.
Durch die Ausbeularbeiten dürfen weder die Fahrzeugstruktur noch konstruktiv erforderliche Verklebungen oder Verbindungen beeinträchtigt werden.
Wo ein vollständiges konventionelles Ausbeulen technisch nicht sinnvoll oder mit dem Risiko einer Beeinträchtigung der Konstruktion verbunden wäre, kann deshalb situativ hochwertiger Zinnersatz auf Epoxidharzbasis eingesetzt werden.
Zinnersatz ist hinsichtlich Qualität, Korrosionsschutz, Schlagfestigkeit und Adhäsion mit hochwertigen Karosserie-Klebe- und Reparaturmaterialien vergleichbar. Die Verarbeitung ist entsprechend anspruchsvoll und zeitintensiv.
Zinnersatz ist nicht mit einem einfachen Polyesterspachtel gleichzusetzen.
Kalkulation
Die fachgerechte Verarbeitung von Zinnersatz im Rahmen der Instandsetzung gehört zum Arbeitsumfang der Ausbeularbeiten und ist bei der Festlegung der erforderlichen Ausbeulzeit entsprechend zu berücksichtigen.
Die erforderliche Ausbeulzeit ist deshalb immer anhand der konkreten Beschädigung, Konstruktion, Zugänglichkeit und notwendigen Reparaturmethode zu beurteilen. Aus der reinen Grösse oder Tiefe einer Deformation lässt sich keine verbindliche Ausbeulzeit ableiten.
Reparatur möglich
Bei den nachfolgenden zwei Fahrzeugen war eine fachtechnisch korrekte Instandsetzung ohne Ersatz der Seitenwand möglich. Dafür braucht es ausgebildete Techniker mit grosser Erfahrung und das richtige Equipment.
Für die korrekte Diagnose und die Definition des korrekten Reparaturprozesses braucht es eine grosse Expertise. Zudem gibt es Grenzfälle, bei denen nicht von Beginn bestimmt werden kann, ob ein Ersatz indiziert ist oder nicht.
Beispiel 1